Deutschland raus aus den Köpfen!

(Pressemitteilung, Download als *.pdf)

Die Linksjugend ['solid] Niedersachsen lehnt die Feierlichkeiten zum Jahrestag der Bundesrepublik aus antinationaler Überzeugung ab.

Sondersendungen im Fernsehen, Gratulation in den Zeitungen, Jubiläums-Feiern in Berlin – mensch kann sich in diesen Tagen kaum vor schwarz-rot-gold retten. Jede und jeder will Deutschland zu 60 Jahren scheinbarer Freiheit, Gleichheit und Demokratie beglückwünschen. Wir nicht!

Wir betrachten das Konstrukt der Nation aus einer antikapitalistischen Perspektive und wissen, dass es als Instrument eines Systems der Konkurrenz, der Ausbeutung und Unterdrückung dient und dieses unterstützt. Kapitalismus bewirkt Ungleichheit, auch ungleiche Staaten. So kommt es, dass in der aktuellen „Krise“ nationalistisches Denken wie Standortlogik und „Schutzschirme“ für die heimische Wirtschaft einen regelrechten Aufschwung erlebt. Sollen doch die vermeintlich anderen für die „Krise“ zahlen – die Flucht in das Konstrukt der Nation wirkt wie ein Schutzreflex aus Angst vor den Verbrechen eines kapitalistischen, globalisierten Wirtschaftssystems. So wird eine Art Schicksalsgemeinschaft geschaffen, die darauf basiert, Menschen zum eigenen Vorteil auszugrenzen. Eine Logik, die von FaschistInnen mit der Theorie einer mysteriösen Volksgemeinschaft auf die Spitze getrieben wird.

Nationales Denken ist also Teil einer bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft, die Unterschiede und Ungerechtigkeiten produziert. Wenn beispielsweise Flüchtlinge aus dem globalen Süden an den Grenzen Europas ertrinken, geschieht dies also im Rahmen der Idee von Staaten, die wirtschaftlich stabil erscheinen und global das idealisierte Bild eines scheinbar fortschrittlicheren oder besseren Staates repräsentieren wollen; Staaten, zu denen nur eine Handvoll Auserwählter gehören darf, die in einem Konkurrenzkampf stehen sollen, wie es im kapitalistischen System angelegt ist. Von diesem Standpunkt erscheint es richtig, dass die eigene Nation die Flüchtlinge nicht aufnimmt. Um dieses unwürdige Verhalten zu rechtfertigen und den, den Kapitalismus stützenden Nationalismus zu festigen, muss sich eine Nation immer wieder selbst bestätigen – sei es durch „Du bist Deutschland“-Kampagnen, „Deutschland-Cards“, Fußball-Weltmeisterschaften oder eben Events, wie wir sie derzeit erleben. Es geht hier darum, den Menschen dazu zu bringen, für ihr/sein Land anzupacken, was nichts weiter heißt, als sich dem Kapitalismus zu unterwerfen. Solidarität mit der Nation und dem Staat bedeutet in kapitalistische Muster von „ich“ und „die anderen“ zu verfallen. Dieses Muster setzt sich selbstverständlich auch innerhalb einer Nation fort und spiegelt sich in sozialer Ungerechtigkeit wieder. Der sozial Benachteiligte ist aber trotzdem stolz auf den Reichtum anderer, mit denen ihn nicht als die Staatszugehörigkeit verbindet, ohne zu erkennen, dass dieser Reichtum auf seiner eigenen Ausbeutung beruht.

Die Gesellschaft ist so Opfer des kapitalistischen Systems, was zur Folge hat, dass der Mensch sich selbst entfremdet und sich vor dem scheinbaren “Schutzschirm” der Nation zum Knecht macht.Schon Arthur Schopenhauer hat erkannt: „Die billigste Art des Stolzes ist hingegen der Nationalstolz. Denn er verrät in dem damit Behafteten den Mangel an individuellen Eigenschaften, auf die er stolz sein könnte, indem er sonst nicht zu dem greifen würde, was er mit so vielen Millionen teilt.“ Anders gesagt: Das bürgerlich-kapitalistische System verhindert nahezu jede persönliche, individuelle Entwicklung der Menschen, indem es jede_n gesellschaftlichen Zwänge unterordnet. Die Nation bietet diesen die Identifikationsmöglichkeit, die sie durch kapitalistische Bedingungen oft nicht selbst entwickeln.

Aus diesen Gründen kämpft Linksjugend ['solid] als antikapitalistischer Jugendverband gegen das Konstrukt von Staat, Nation, Rasse und Volk. 60 Jahre Deutschland sind 60 Jahre zu viel und kein Grund zu feiern. 60 Jahre Deutschland sind Grund zum Widerstand!

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