Wir dokumentieren die Gründungserklärung des Landesarbeitskreises Antifa:
Hiermit schließen wir, Genoss_Innen aus der Linksjugend Niedersachsen, uns im Landesarbeitskreis Antifaschismus zusammen.
Die rechte Szene
Den Nazis liegt eine Ideologie zu Grunde, die ganz offen propagiert, dass Menschen verschieden viel wert seien. Es gäbe eine Herrenrasse, der logischerweise vor allem Deutsche angehörten, und eine niedere Rasse, so z.B Jüdinnen und Juden, Migrant_Innen, Homosexuelle und Dissident_Innen. Und genau gegen die richtet sich auch immer wieder die rechte Gewalt. Ob psychisch oder physisch – der Einsatz von brutalster Gewalt gegen den politischen Feind ist für Nazis ein legitimes Mittel zur Durchsetzung ihrer nationalen Interessen. Oftmals gipfelt die Naziideologie in militant-terroristischen Aktionen, die nicht selten auch Tote fordern.
Nazis sind in der derzeitigen Lage und der täglichen Situation allgegenwärtig. In fast jedem Dorf oder jeder Gemeinde gibt es Nazis. In manchen Städten und Regionen, wie z.B in Tostedt, Bückeburg oder der Heide, ist das schlimmer, weil organisierter, in manchen treten die Nazis unorganisiert und einzeln auf. Gefährlich sind sie in beiden Fällen.
Die NPD
Die NPD ist die Partei der extremen Rechten. Trotz enger Kontakte zu Gewalttäter_Innen und der militanten Kameradschaftsszene ist man darum bemüht, nach außen hin ein bürgerliches Image zu bewahren. Kandidat_Innen zu verschiedenen Wahlen seien keine Nazis, sondern liebe, national gesonnene Nachbarn, die sich einfach für das Wohl des deutschen Volkes einsetzten. Aber hinter dieser Fassade steckt etwas anderes: Faschistisches und rassistisches Gedankengut. Die NPD verfolgt genauso extrem rechte Positionen wie alle anderen Nazis. Auch wenn sie sich öffentlich von politischer Gewalt distanziert, wird doch immer wieder deutlich, welch Einstellung sie tatsächlich verfolgt.
Bei der Kommunalwahl in Niedersachsen 2011 konnte die NPD Einzüge in mehrere Kreistage und Gemeinderäte feiern. Das zeigt, dass insbesondere das Bürgertum sich leicht von den „heimattreuen Deutschen“ einlullen lässt.
Rassismus in der Mitte der Gesellschaft
Aber das zeigt noch mehr: Rassismus, Antisemitismus, Homophobie und Sexismus – das sind nicht bloß Merkmale irgendwelcher faschistischer Dorftrottel, sondern Einstellungen, die tief in der Gesellschaft verwurzelt sind. Überlegt einfach mal, wie oft in Eurem Umfeld schon mal von Überfremdung die Rede war. Oder wie oft das Wort „schwul“ als Beleidigung fällt. Oder denkt überhaupt mal über die Qualität der Witze einiger Leute nach. Aber würdet Ihr die als Nazis bezeichnen?
Nein, natürlich nicht. Die wählen auch nicht (alle) die NPD. Aber genau das zeigt, warum die Nazis mit ihren xenophoben Einstellungen immer wieder auf fruchtbaren Nährboden in der deutschen Gesellschaft stoßen. Rassismus ist kein Randproblem – Rassismus ist ein bürgerliches Problem.
Erfolge von Menschen wie Thilo Sarrazin, der mit rassistischen und sozialdarwinistischen Positionen die deutsche Literaturwelt stürmte, zeigen nur zu gut, wie der gute deutsche Mann oder die gute deutsche Frau denkt. Diesem gesamtgesellschaftlichen Rassismus muss entgegengetreten werden!
Staatlicher oder institutioneller Rassismus
Dabei ist aber nicht auf den Staat zu hoffen. Dieser arbeitet selber immer wieder an dem rassistischen Gesamtklima in unserer Gesellschaft. Menschen wie Gudrun Pieper, niedersächsische Landtagsabgeordnete der CDU, oder der niedersächsische Innenminister Uwe Schünemann, zeigen das immer wieder. Pieper war im Landtag ausfällig geworden: Während die migrationspolitische Sprecherin der Grünen, Filiz Polat, zum Thema Abschiebepraktiken sprach, warf Pieper ein, dass der Staat lieber sie hätte abschieben sollen. Welcome to germany!
Und in der Tat: Die Abschiebepraktiken, immer wieder von Schünemann erhärtet und verteidigt, zeigen den institutionellen Rassismus besser als alles Andere! Es reicht nicht, dass sich Europa im Allgemeinen abschottet und immer weniger Flüchtlinge unter immer härteren Bedingungen aufnimmt. Nein, Deutschland und Niedersachsen müssen noch einen draufsetzen: Residenzpflicht, Essensgutscheine, Asylknäste – und was steht am Ende? Abschiebung.
So sieht die Integrationspolitik der CDU und des neuen, toleranten Deutschland aus.
Nazis in Niedersachsen
Warum dann aber den Arbeitskreis Antifaschismus in Niedersachsen speziell?
Bisher wurden gesamtgesellschaftliche Probleme angesprochen. Aber die gibt es eben auch in Niedersachsen. Und diesen Tendenzen wollen wir uns ganz speziell hier entgegenstellen!
Aber Niedersachsen ist darüber hinaus auch bundesweit für eine regional sehr aktive und aktionsfähige Naziszene bekannt.
Besonders hervortritt das kleine, beschauliche Dorf Tostedt im Landkreis Harburg.
In Tostedt äußert sich besonders heftig, was es bedeutet, wenn Nazis die Straßen oder sogar ein ganzes Dorf hegemonial regieren können: Gewalt gegen Dissidenten und „Volksverräter“ stehen an der Tagesordnung. Sehr heftig war ein Angriff von rund 15 militanten Nazis im Mai 2010. Sie drangen in ein Wohnhaus ein – mit dem klaren Ziel politische Gegner_Innen auszuschalten. „Der ganze Flur war voller Blut“, berichteten Augenzeug_Innen damals. Der Übergriff war Teil einer ganzen Serie von neonazistischen Attacken.
Darüber hinaus wird an Tostedt deutlich, dass der Staat im Kampf gegen Nazis kein verlässlicher Partner ist. So bescheinigte etwa der Polizeichef des Landkreises: „Tostedt ist bunt. Braun ist auch eine Farbe.“
Doch Tostedt ist natürlich nicht das einzige, wenn auch vielleicht das populärste Beispiel für eine militante faschistische Szene in Niedersachsen. Bundesweit bekannt sind Gruppen wie die Snevern Jungs (Schneverdingen) und die Kameradschaft 73 Celle, die nun zwar unter einem neuen Deckmantel, aber mit gleicher Ideologie agiert. Auch die organisierte Naziszene in Bückeburg und Umgebung wird immer aktiver und aggressiver. Faschistische Organisationen finden sich in so gut wie jeder Region, ob nun als Kameradschaft, Nationaler Widerstand oder als Autonome Nationalisten – ihr Auftreten ist gleich gefährlich.
Ob organisiert oder nicht – Faschismus bekämpfen!
Auch wenn in manchen Kreisen die Naziszene nicht so ausgeprägt und nicht organisiert ist, bleiben auch unabhängig handelnde Nazis brandgefährlich. Mit dem LAK Antifa Niedersachsen wollen wir engagierten Antifaschist_Innen Vernetzungsmöglichkeiten bieten, die Linksjugend ['solid] Niedersachsen bei Projekten rund um das Thema Antifaschismus unterstützen und vor allem eine landesweit agierende Gliederung schaffen, die sich Naziaktivitäten in Bündnissen, in Diskussionsrunden und auf der Straße entschlossen entgegenstellt.
„Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel.“ ( Aus dem Schwur der befreiten Häftlinge des KZ-Buchenwald)
Gründungserklärung des LAK Antifa in der Linksjugend ['solid] Niedersachsen
Hiermit schließen wir, Genoss_Innen aus der Linksjugend Niedersachsen, uns im Landesarbeitskreis Antifaschismus zusammen.
Die rechte Szene
Den Nazis liegt eine Ideologie zu Grunde, die ganz offen propagiert, dass Menschen verschieden viel wert seien. Es gäbe eine Herrenrasse, der logischerweise vor allem Deutsche angehörten, und eine niedere Rasse, so z.B Jüdinnen und Juden, Migrant_Innen, Homosexuelle und Dissident_Innen. Und genau gegen die richtet sich auch immer wieder die rechte Gewalt. Ob psychisch oder physisch – der Einsatz von brutalster Gewalt gegen den politischen Feind ist für Nazis ein legitimes Mittel zur Durchsetzung ihrer nationalen Interessen. Oftmals gipfelt die Naziideologie in militant-terroristischen Aktionen, die nicht selten auch Tote fordern.
Nazis sind in der derzeitigen Lage und der täglichen Situation allgegenwärtig. In fast jedem Dorf oder jeder Gemeinde gibt es Nazis. In manchen Städten und Regionen, wie z.B in Tostedt, Bückeburg oder der Heide, ist das schlimmer, weil organisierter, in manchen treten die Nazis unorganisiert und einzeln auf. Gefährlich sind sie in beiden Fällen.
Die NPD
Die NPD ist die Partei der extremen Rechten. Trotz enger Kontakte zu Gewalttäter_Innen und der militanten Kameradschaftsszene ist man darum bemüht, nach außen hin ein bürgerliches Image zu bewahren. Kandidat_Innen zu verschiedenen Wahlen seien keine Nazis, sondern liebe, national gesonnene Nachbarn, die sich einfach für das Wohl des deutschen Volkes einsetzten. Aber hinter dieser Fassade steckt etwas anderes: Faschistisches und rassistisches Gedankengut. Die NPD verfolgt genauso extrem rechte Positionen wie alle anderen Nazis. Auch wenn sie sich öffentlich von politischer Gewalt distanziert, wird doch immer wieder deutlich, welch Einstellung sie tatsächlich verfolgt.
Bei der Kommunalwahl in Niedersachsen 2011 konnte die NPD Einzüge in mehrere Kreistage und Gemeinderäte feiern. Das zeigt, dass insbesondere das Bürgertum sich leicht von den „heimattreuen Deutschen“ einlullen lässt.
Rassismus in der Mitte der Gesellschaft
Aber das zeigt noch mehr: Rassismus, Antisemitismus, Homophobie und Sexismus – das sind nicht bloß Merkmale irgendwelcher faschistischer Dorftrottel, sondern Einstellungen, die tief in der Gesellschaft verwurzelt sind. Überlegt einfach mal, wie oft in Eurem Umfeld schon mal von Überfremdung die Rede war. Oder wie oft das Wort „schwul“ als Beleidigung fällt. Oder denkt überhaupt mal über die Qualität der Witze einiger Leute nach. Aber würdet Ihr die als Nazis bezeichnen?
Nein, natürlich nicht. Die wählen auch nicht (alle) die NPD. Aber genau das zeigt, warum die Nazis mit ihren xenophoben Einstellungen immer wieder auf fruchtbaren Nährboden in der deutschen Gesellschaft stoßen. Rassismus ist kein Randproblem – Rassismus ist ein bürgerliches Problem.
Erfolge von Menschen wie Thilo Sarrazin, der mit rassistischen und sozialdarwinistischen Positionen die deutsche Literaturwelt stürmte, zeigen nur zu gut, wie der gute deutsche Mann oder die gute deutsche Frau denkt. Diesem gesamtgesellschaftlichen Rassismus muss entgegengetreten werden!
Staatlicher oder institutioneller Rassismus
Dabei ist aber nicht auf den Staat zu hoffen. Dieser arbeitet selber immer wieder an dem rassistischen Gesamtklima in unserer Gesellschaft. Menschen wie Gudrun Pieper, niedersächsische Landtagsabgeordnete der CDU, oder der niedersächsische Innenminister Uwe Schünemann, zeigen das immer wieder. Pieper war im Landtag ausfällig geworden: Während die migrationspolitische Sprecherin der Grünen, Filiz Polat, zum Thema Abschiebepraktiken sprach, warf Pieper ein, dass der Staat lieber sie hätte abschieben sollen. Welcome to germany!
Und in der Tat: Die Abschiebepraktiken, immer wieder von Schünemann erhärtet und verteidigt, zeigen den institutionellen Rassismus besser als alles Andere! Es reicht nicht, dass sich Europa im Allgemeinen abschottet und immer weniger Flüchtlinge unter immer härteren Bedingungen aufnimmt. Nein, Deutschland und Niedersachsen müssen noch einen draufsetzen:
Residenzpflicht, Essensgutscheine, Asylknäste – und was steht am Ende? Abschiebung.
So sieht die Integrationspolitik der CDU und des neuen, toleranten Deutschland aus.
Nazis in Niedersachsen
Warum dann aber den Arbeitskreis Antifaschismus in Niedersachsen speziell?
Bisher wurden gesamtgesellschaftliche Probleme angesprochen. Aber die gibt es eben auch in Niedersachsen. Und diesen Tendenzen wollen wir uns ganz speziell hier entgegenstellen!
Aber Niedersachsen ist darüber hinaus auch bundesweit für eine regional sehr aktive und aktionsfähige Naziszene bekannt.
Besonders hervortritt das kleine, beschauliche Dorf Tostedt im Landkreis Harburg.
In Tostedt äußert sich besonders heftig, was es bedeutet, wenn Nazis die Straßen oder sogar ein ganzes Dorf hegemonial regieren können: Gewalt gegen Dissidenten und „Volksverräter“ stehen an der Tagesordnung. Sehr heftig war ein Angriff von rund 15 militanten Nazis im Mai 2010. Sie drangen in ein Wohnhaus ein – mit dem klaren Ziel politische Gegner_Innen auszuschalten. „Der ganze Flur war voller Blut“, berichteten Augenzeug_Innen damals. Der Übergriff war Teil einer ganzen Serie von neonazistischen Attacken.
Darüber hinaus wird an Tostedt deutlich, dass der Staat im Kampf gegen Nazis kein verlässlicher Partner ist. So bescheinigte etwa der Polizeichef des Landkreises: „Tostedt ist bunt. Braun ist auch eine Farbe.“
Doch Tostedt ist natürlich nicht das einzige, wenn auch vielleicht das populärste Beispiel für eine militante faschistische Szene in Niedersachsen. Bundesweit bekannt sind Gruppen wie die Snevern Jungs (Schneverdingen) und die Kameradschaft 73 Celle, die nun zwar unter einem neuen Deckmantel, aber mit gleicher Ideologie agiert. Auch die organisierte Naziszene in Bückeburg und Umgebung wird immer aktiver und aggressiver. Faschistische Organisationen finden sich in so gut wie jeder Region, ob nun als Kameradschaft, Nationaler Widerstand oder als Autonome Nationalisten – ihr Auftreten ist gleich gefährlich.
Ob organisiert oder nicht – Faschismus bekämpfen!
Auch wenn in manchen Kreisen die Naziszene nicht so ausgeprägt und nicht organisiert ist, bleiben auch unabhängig handelnde Nazis brandgefährlich. Mit dem LAK Antifa Niedersachsen wollen wir engagierten Antifaschist_Innen Vernetzungsmöglichkeiten bieten, die Linksjugend ['solid] Niedersachsen bei Projekten rund um das Thema Antifaschismus unterstützen und vor allem eine landesweit agierende Gliederung schaffen, die sich Naziaktivitäten in Bündnissen, in Diskussionsrunden und auf der Straße entschlossen entgegenstellt.
„Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung.
Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel.“
( Aus dem Schwur der befreiten Häftlinge des KZ-Buchenwald)